Frisch angelandeter Kabeljau

„Man könnte sagen, er [der Kabeljau] stellt neben dem Brot das einzige Lebensmittel dar, dessen man, sobald man sich daran gewöhnt hat, niemals überdrüssig wird, ohne das man nicht mehr leben kann und das man gegen keine Köstlichkeit der Welt tauschen möchte.“ (Elma Ivanovna Molokhovets, Ein Geschenk für junge Hausfrauen, St. Petersburg, 1862)
Der Fisch als Legende!
Kabeljau ist mehr als nur ein Fisch. Er war unangefochtener Exportschlager des Mittelalters. Vitaminreicher Lebertran, eine Substanz der Kabeljauleber, entwickelte sich zur verheißungsvollen „Arznei“ der vorindustriellen Gesellschaft. Heute ist der Fisch längst zum Mythos geworden. Der Kabeljau war über Jahrhunderte Garant für Wohlstand und Reichtum.
Die Geschichte vermerkt unzählige Episoden über und um diesen Fisch. Manch Berichtetes wurde sprichwörtlich, und formierte sich zur Legende. Sein schier unbegrenztes Vorkommen im Nordostatlantik sowie in der Ost- und Nordsee machte Kabeljau zum unangefochtenen Hauptinteresse damaliger Küstenbewohner. Kabeljau war gleichbedeutend mit Erfolg und Fortschritt und stand im Ruf einer hochprofitablen Ware.
Nordmänner erobern das Meer!
Die Geschichte führt uns zurück in die Zeit, als „Nordmänner“ um 1000 n. Chr. vorbei an der schwarzen Lavaküste Islands auf grönländische Eisküsten blickten. Die Reise führte Leif Eriksson weiter nach „Steinland“, an die heutige Felsenküste Labradors, und „Waldland“, mit hoher Wahrscheinlichkeit dem heutigen Neufundland um Maine. Alle Erkundungsfahrten der Wikinger hatten eine zentrale Intention: den Kabeljaufang!
Diese Wanderrouten der Nordmänner entsprachen interessanterweise genau dem Verbreitungsgebiet des atlantischen Kabeljaus.
Den Basken, dem Geheimnis der Nordmänner auf der Spur, verhalf der Kabeljau in der europäischen Blütezeit des Katholizismus zu einträglichen Gewinnen. In den „mageren Tagen“, gemeint waren katholische Fastenstage, war der Fleischgenuss (also warme Nahrung) verboten, dem Fisch hingegen gehörten sodann die fast 180 restlichen Tage im Jahr!
Unabhängigkeit dank Kabeljau!
Wahrscheinlich verdanken die Vereinigten Staaten von Amerika dem Kabeljau von einst ihre Unabhängigkeit, denn er war es, der die neuenglische Handelsschicht zu aristokratischen Höhenflügen inspirierte. Handeltreibende weit ab vom Mutterland Großbritannien entwickelten, aufgrund äußerst erfolgreicher Handelspraktiken mit dem grandiosen „Rohstoff“, ein fundamentales Selbstbewusstsein, das letztlich den Aufschrei nach Unabhängigkeit unvermeidlich machte.
Island entdeckt sein „Kabeljau-Glück“
Im 19. respektive 20. Jhdt. erkannte Island seine enormen Kabeljaufanggründe. Strategische Überlegungen führten zur isländischen Forderung einer 50-Meilen-Schutzzone ihrer Hoheitsgewässer. Den Briten passte das keineswegs. Der Konflikt ging in die Annalen der modernen Fischerei als „Kabeljaukrieg“ oder „Codwar“ ein. Isländische Fischer sabotierten britische Fischtrawler und kappten kurzerhand deren Schleppnetze. Die Sabotagen führten zu britischen Eskorten der Fischkutter mit Kriegsschiffen der britischen Marine. Nach Beilegung des Streits am Verhandlungstisch erkannte Island, dass die Maßnahmen zu kurz gegriffen waren und erweiterte im Jahr 1975 abermals seine Schutzzone auf 200 Seemeilen. Eine erneute Belastung der Beziehungen zwischen beiden Ländern war die Folge. Die Spannungen wurden letztlich ebenfalls auf dem Verhandlungsweg beigelegt. Heute ist die 200-Meilenzone internationaler Standard.
Kabeljau – heute!
Heute ist er ebenso beliebt wie vor hundert Jahren, mit nur einem Haken: die Zeit des Überflusses ist vorbei. Die Industrieflotten der Fischereinationen Europas holen immer weniger Kabeljaufang an Bord. Kleine Fischkutter mit traditionellen Fangmethoden haben da noch mehr Glück. Überliefertes Wissen günstiger Fangplätze ermöglicht auch heute noch den regionalen Fischern lebenswichtige Fänge.
Aussehen und Verhalten
Sein Lebensraum ist der Meeresgrund. Er bewegt sich in einer Tiefe von 40 m und wandert zum Laichen in wärmere, küstennahe Gewässer. Er besitzt einen typischen Kinnfaden. Sein Artverhalten ist bekannt und simpel. Er gilt daher als leichte Beute. Als Jungfisch bezeichnet man ihn als Dorsch. Das Fleisch ist so weiß, „dass die großen Flocken auf dem Teller fast schon leuchten“ schreibt Mark Kurlansky in seiner äußerst profunden Abhandlung über den Fisch, der die Welt veränderte. Wahrlich ein Juwel des Ozeans!
Ein Satz der nachdenklich stimmen soll: „Fische lassen sich schwerer ausrotten als Säugetiere (sie legen keine Eier wie Fische!). Aber nach tausend Jahren Jagd auf den atlantischen Kabeljau wissen wir, dass man es auch bei Fischen schaffen kann!“ (Mark Kurlansky, KABELJAU, Der Fisch der die Welt veränderte, München, 1997)
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