Ökologie und Nachhaltigkeit sind wichtige Themen. Immer öfter machen Zertifikate für Nachhaltige Fischerei von sich reden und Kunden/-innen verlangen mehr Transparenz bei Handel und Industrie. Fisch-Gruber berichtet über Chancen und Grenzen solcher Programme.

Das innovative Zauberwort unserer Tage lautet Zertifizierung. Um Produkten Leben einzuhauchen, installiert der Handel immer öfter viel versprechende Zertifizierungsprogramme. Das Vertrauen des Kunden/der Kundin ist höchstes Gut und wird sorgsam umhegt. Ergo wird Transparenz, kombiniert mit offensiver Information, großgeschrieben. Doch was sagt ein Zertifikat eigentlich aus? Welche Garantien werden über diese Maßnahmen verkauft? Wird der Produktdschungel dadurch übersichtlicher? Fisch-Gruber ist der Frage speziell im Sektor Frischfisch nachgegangen.

Zertifizierung – das MSC-Gütesiegel

Zertifizierungsprogramme dokumentieren die Einhaltung vordefinierter Standards und geben dem Produkt eine Aura der Exklusivität. Spezielle Gütesiegel wie das MSC (Marine Stewardship Council, gegründet 1997 als Kooperation von WWF und Unilever/Iglo – mittlerweile als NGO unabhängig) dokumentieren und belohnen nachhaltige Produktionsphilosophien großer und kleiner Fischereien.

Dabei soll auf mehreren Ebenen die Nachhaltigkeit von Fischerei garantiert werden, wie der WWF beschreibt:

  • Es darf nur so viel gefischt werden, wie natürlich wieder nachkommt.
  • Die Fischerei darf die Meeresumwelt nicht schädigen und die Ökosysteme nicht beeinträchtigen.
  • Die Fischerei muss einen guten Managementplan haben, also legal und rückverfolgbar wirtschaften.

Axel Hein vom WWF erklärt dazu: Nachhaltigkeit bestimmt sich auf drei Gebieten, nämlich dem Stopp der Überfischung von Arten, der Reduktion von Beifang durch unselektiven Fangmethoden und Maßnahmen gegen illegale Fischerei.

100% Transparenz (Rückverfolgbarkeit) und die Kooperation zwischen den beteiligten Industrien und Interessensverbänden sind wesentliche Bestandteile der Zertifizierungsbemühungen. Ganz oben auf der Agenda steht die Umwandlung des Fischereisektors in einen nachhaltig betriebenen Wirtschaftssektor. Ein ehrgeiziges Unterfangen angesichts einer monströsen Industrielogik und Fischereilobby mit starker politischer Rückendeckung! Wachsende Akzeptanz auf Kundenseite gibt der Initiative jedoch mehr und mehr Recht. Sie motiviert Konsumenten/-innen, die industriell dominierte Verarbeitungslogik zu hinterfragen und nicht mehr kommentarlos hinzunehmen.

Nachhaltigkeit – Herausforderung und Chance für Handel

Was den Handel in seiner Funktion als Bindeglied zwischen Produkthersteller und Konsument angeht, so ist eine nachhaltige Philosophie zugleich eine Chance. Programme der Zertifizierung geben Produkten Kontur, machen Nachhaltigkeitsüberlegungen transparent! Der Mehrwert liegt auf der Hand. Georg Scattolin vom WWF formuliert im Gespräch mit Fisch-Gruber: “Letztendlich geht es um Ressourcensicherung. Hier sind Unternehmen gefragt, die langfristig denken und auch in 20 Jahren noch Fisch verkaufen wollen.” Für Wolfgang Gruber liegt die Verantwortung jedoch nicht nur beim Handel: “Für eine ökonomisch-ökokologisch verträgliche Gesamtstruktur muss eine Politik Sorge zu tragen, die trotz divergierender Interessen keine Seite einseitig bedienen darf. Denn so lange die internationalen Konzerne und ihre industriellen Fangflotten EU- und Staatsgelder zugeschoben bekommen und dadurch die Meere leerfischen, aber die kleinen Fischer in den Ruin getrieben werden, sieht die Zukunft wirklich schlecht aus!”

Zertifikate sind ein wichtiger Schritt, wenngleich auch nicht die Lösung für alle Probleme der Fischerei. So findet das MSC-Siegel im Frischfischbereich nur wenig Anwendung. Gleichzeitig ist eine Diskriminierung von legal gefangenem, nachhaltigem Fisch ohne Zertifikat gefährlich. Ron, einer unserer Partner aus Holland, erklärt: “Oft handelt es sich um die gleiche Ware, vom selben Schiff – bloß die Verpackung und der Preis ist ein anderer.” Denn die Kosten für Zertifizierungen werden – die Händlerkette nach unten – oft an die Endkunden weitergegeben.

Bewusstseinbildung – Konsumenten sind wir alle

Das Produktüberleben wird letztendlich von seiner tatsächlichen Qualität bestimmt und nicht von kurzweiligen Kampagnen – das haben bewusst agierende Konsumenten schon lange begriffen.

Die Kunden/-innen fragen wieder nach. Sie möchten mehr über den Weg ihres Produktes bis ins Regal wissen. Ob Bio oder Direktvermarktung, dem Etikettenversprechen müssen auch nachhaltige Strategien vorausgehen. Denn was nützt bloße Gewissensberuhigung?! Die Verantwortung des Kunden/der Kundin endet daher nicht mit dem Einkaufsführer großer internationaler Umweltschutzorganisationen in der Hand, sondern im wohlüberlegtem und reflektiertem Kaufverhalten, basierend auf nachvollziehbaren Gesamtinformationen.

Aktive Konsumenten gefragt!

Achten Sie bei Ihrem nächsten Einkauf daher auf die Bereitschaft Ihres Händlers seine Quellen preiszugeben und auf die Offenheit seinem Produkt gegenüber. Einer einseitigen und verzerrten Informationspolitik ist nur mit lückenloser Information von Händlerseite und energischem Nachfragen auf Konsumentenseite beizukommen. Denn was der Kunde nicht mehr nachfragt, entzieht der industriellen Logik Ihre Grundlage.

Es liegt aber nicht allein in der Verantwortung des Kunden oder des Handels die wertvolle Ressource Fisch in seiner noch vorhandenen Vielfalt zu erhalten, sondern auch am Willen politischer Konstellationen, den mörderischen ökonomischen Prinzipien zu entsagen. Die Aktivitäten des WWF sind daher in diesem Kontext sehr zu begrüßen, da die industrielle Methodik einer auf Maximierung konzentrierten Industriefischerei in Frage gestellt und ersetzt werden muss. Sachliche und zielorientierte Strategien von WWF bringen Marktbeherrschende Akteure und politisch Verantwortliche an einen Tisch und suchen gemeinsam nach Lösungen und Auswegen.

Fisch-Gruber achtet auf Fangmethoden mit nachhaltigem Hintergrund und bekennt sich aus eigenen Stücken zu hohen Standards und das seit Jahrzehnten! Besonders am Herzen liegen Fisch-Gruber Produkte aus kleinstrukturiertem Wildfang, beispielsweise unser Fisch aus Marokko und vom Neusiedlersee oder aus heimischer, natürlicher Aquakultur, wie unsere Fische vom Schönauerteich.

Weblinks:
MSC-Zertifizierung
Fisch ist kein Müll!
CITES und Kaviar!
Überfischung kostet 1,5 Billionen Euro

© Fisch-Gruber 2009, Für den besten Fisch am Wiener Naschmarkt für Konumentenvertrauen!