Bereits im 11. Jhdt. ist ein Handel mit Fischen am Hohen Markt in Wien urkundlich vermerkt. Großzügige Handelsprivilegien ermöglichten schon früh die Etablierung des Wiener Marktwesens. Der Wiener Handelsgeist war bereits früh geboren. Wenn auch noch unorganisiert, so trugen reger Warenverkehr und die Einfuhr umfangreicher landwirtschaftlicher Erzeugnisse aus dem umliegenden Anbaugebiet zur wirtschaftlichen Autarkie Wiens bei. Selbst Fisch war auf Grund großen Fischreichtums der Donauarme Bestandteil des täglichen Handels.

Wiener Naschmarkt – Die Standler wandern stadtauswärts!

Der Freihausplatz, am heutigen Standort der TU-Wien, wurde das vorübergehende Exil der vormals innerstädtischen Standler. Der Freihausplatz beherbergte den Wiener Milchmarkt unter Regentschaft der „Milliweiber“, der allzu oft wegen Milch-Pantschereien in die Schlagzeilen geriet.
Dieses Areal wurde zum vorübergehenden Provisorium des Naschmarktes und diente beinahe 130 Jahre als Handelsplatz der Wiener Standler.

Mischkulanz – liebevoll, ordinär!

„Die Zwiefelkrowoten, der italienische Essigmann, Erdäpfelhändler, Eierweiber, Lorbeerhändlerinnen und Lawendelweiber“ um nur einige zu nennen, prägten das Marktbild der damaligen Zeit. Am Naschmarkt grantelte der Wiener und genoss zugleich den Charme seiner Stadt. Ein ordinärer Frauentyp, dominant und liebenswürdig frech, war der Protagonist des Wiener Marktes.

Der Name Naschmarkt und dessen Herkunft sind heute selbst unter Historikern umstritten. Das erste Mal taucht er 1791 mit der ähnlichen Bezeichnung Aschenmarkt auf. Der Stifter des Namens ist mit großer Wahrscheinlichkeit der ursprünglich beheimatete Milchmarkt am Freihausplatz. Der Wortstamm Asch, also Eimer oder Kübel, ein Holzgefäß aus Eiche zur Aufbewahrung von Milch, soll Grundlage der späteren Bedeutung gewesen sein. Die Verballhornung Naschmarkt findet 1812 ihre erste Erwähnung.
Der Naschmarkt, beliebt als touristische Attraktion, galt und gilt noch immer, neben seiner Nahversorgerrolle, als Schlemmerparadies und Bühne der Wiener Gesellschaft. Kein geringerer als Zar Alexander von Russland besuchte zur Zeit des Wiener Kongresses den bereits damals bekannten Markt.

Alter Naschmarkt – ganz neu!

Im Jahre 1916, nach erfolgreich fertig gestellter Wienflußeingewölbung, wurde ein neues Marktareal auf ca. 36.000 Quadratmetern installiert. Kleine Markthallen im Biedermeierstil gaben ihm sein Gesicht. An die 600 Standler boten ihre Waren feil. Das Wiener Schlemmerparadies, wie wir es heute kennen, war geboren. Das neue Erscheinungsbild auf dem neuen Platz gab so mancher Diskussion Stoff und regte Künstler wie Journalisten an, die neue „Attraktion“ zu kommentieren.
So ist zB. folgende liebevolle Charakerisierung des neuen Naschmarktes festgehalten:

Der neue Markt, dessen Hallen eben ihre moderne Ausstattung erhalten, wirkt, langgestreckt, wie er ist, so sauber, wie die Avenue irgend einer Ausstellung und die Zwiebeltürmchen seiner Pavillions setzen die vom „goldenen Krauthappel“ der Secession begonnene Gemüse-Architektur symbolisch fort!

in: „Der Naschmarkt – Mit einer historischen Darstellung des Wiener Marktwesens“ von Peterson, Barbara, Wien 1998

Der Naschmarkt war lange Zeit Refugium „rescher, nicht auf den Mund gefallener“ Bolettenweiber (Marktstandlerinnen im Amtsdeutsch), die lautstark und in rauem Umgangston ihre Waren anpriesen.

Dieses einzigartige Wiener Spektakel wiederholt sich heute, wie vor hundert Jahren, tagaus, tagein, wenn auch gemäßigter. Ein wahrliches Wiener Kuriosum entstand aus der multikulturellen Mischkulanz. Heute ist der Wiener Naschmarkt Pilgerstätte kulinarischer Missionare und Forum für Gourmets. Das Flanieren lässt aufatmen. Die Vielfalt der Düfte und Farben regt an. Suchen und Finden mit allen Sinnen! Die Einkaufshektik moderner Shoppingcenter ist für einige Stunden vergessen.

Die alte Wiener Lebensmaxime „Leben und leben lassen!“ war der Grundtenor des Treibens am Wiener Naschmarkt. Und ist es auch heute noch! Fisch-Gruber, HELLA Gruber Feinfischspezialitäten, befindet sich nun seit 130 Jahren als einer der letzten traditionellen Stände auf dem historischen Marktplatz. Tauchen Sie ein in den Dschungel der Genüsse, in das Biotop des Marktviertels!

© Fisch-Gruber