Britische Zeitungen schreiben mit gewohnt englischem understatement von „shell shocker“ und „mystery illness„. Und tatsächlich ist es schockierend, was seit dem Sommer in Frankreich passiert: Austernzüchter müssen tatenlos zusehen, wie der Ertrag ihrer Arbeit einer rätselhaften Krankheit zum Opfer fällt: „In manchen Gegenden sind 50-80% der verkaufsreifen Austern im Alter zwischen zwei und drei Jahren gestorben„, so Olivier Laben von der Vereinigung der Austernproduzenten Arcachon-Aquitaine.
Der Grund für das Massensterben scheint nach umfangreichen Tests die für Felsenaustern (Crassostrea gigas) tödliche Bakterie vibro aesturianus zu sein. Wieso die Pest jedoch gerade jetzt ausbricht, dafür haben die Experten noch keine Erklärung. Möglicherweise liegt es an den ungewöhnlichen Wetterbedingungen – nach einem schlechten Frühling folgte ein plötzlicher Temperaturanstieg, verbunden mit viel Regen und dadurch einem Abfall des Salzgehaltes in den Buchten.
Bereits 2008 mussten die französischen Austernzüchter einen schweren Schlag einstecken. Damals rottete der Austern-Herpesvirus (OsHV-1) einen Großteil der Larven/Jungtiere aus (immer noch befällt das Virus 1/3 aller Jungtiere). Die französische Austernproduktion fiel seitdem kontinuierlich von 120 000 Tonnen auf 80 000 Tonnen pro Jahr. „Die Austernzüchter haben versucht, sich anzupassen, aber der letzte Ausbruch ist eine andere Geschichte. Die Verluste am Ende des Lebenszyklus sind viel schwerer zu verkraften. Sie bedeuten, dass 3 Jahre Arbeit einfach den Bach hinuntergehen, und schränken unseren Handlungsspielraum extrem ein„, erkärt Laurent Champeau (Sprecher der Austenproduzenten von Poitou-Charentes).
Die Anfälligkeit der pazifischen Felsenauster kommt nicht von ungefähr: Die eigentlich in Asien heimische Austern wurde nach Europa eingeschleppt und verbreitete sich rasend schnell. Da sie schneller wächst und weniger empfindlich ist, als heimische Flachaustern (ostrea edulis), haben seit den 1970er Jahren fast alle Austernzuchten auf Felsenaustern umgestellt. Im Gegenzug wurde die heimische Art fast ausgerottet. Dieser Eingriff in die Natur fällt jetzt auf den Menschen zurück – denn von den Krankheiten betroffen sind nur die Felsenaustern. Interessanterweise sind wild wachsende Austern von den Krankheiten nicht betroffen – die französischen Zuchten haben hier ein ernstes Problem.
Am Markt herrscht Austernknappheit – die Preise für französische Austern sind bereits am Limit. „Momentan kaufen die Franzosen im großen Stil bei uns“ erklärt unser Lieferant Kim aus Holland. Das treibt auch hier die Preise in die Höhe.
Für den Menschen ist das Austernvirus keine Gefahr. Zudem sind die in den Verkauf gelangenden Austern mikrobiologisch streng kontrolliert – Sie können also sicher sein, nur einwandfreie Austern am Teller zu haben. Fisch-Gruber setzt seit Jahren auf holländische Austern – wegen der konstanten Qualität und den besseren Wasser- und Temperaturbedingungen in Holland. Und das schmeckt man!
Weitere Infos: Über die Einschleppung der pazifischen Flachauster (engl.)
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