Guten Tag Frau Gruber! Sie und Ihr Mann haben das Unternehmen „Hella-Gruber Feinfischspezialitäten“ vor über 10 Jahren als Delikatessengeschäft mit bestem Ruf an Ihren jüngsten Sohn Wolfgang weitergegeben. Sind alle Erwartungen an Ihr Lebenswerk erfüllt?

Hella Gruber: Mein jüngster Sohn Wolfgang, nun die fünfte Generation, macht mich stolz. Einen Sohn und Nachfolger mit so viel Fleiß und Kampfgeist zu beobachten macht mich zufrieden. Er hat die Erwartungen an unser gemeinsames Lebenswerk sicher erfüllt und ich wünsche ihm einen ebenso tüchtigen Nachfolger, mit viel Liebe zum Fisch!

Hätten Sie gerne mehr umgesetzt? Auf was sind Sie besonders stolz?

Hella Gruber: Natürlich gibt’s in einem Unternehmen immer Sachen, die man gerne noch umgesetzt hätte. Wenn ich zurückdenke, hatten ich und mein Mann Erich bereits im ersten gemeinsamen Geschäftsjahr den Monats-Umsatz meiner Großmutter verdreifacht. 1973 haben wir dann in Rust das Grundstück gekauft und gleich begonnen, ein Kühlhaus mit einer Lagerkapazität von ungefähr 80 Tonnen zu bauen um die ersten Tiefkühlprodukte importieren zu können. Zu diesem Schritt waren wir mehr oder weniger gezwungen, da wir unsere Tiefkühlwaren bis zu diesem Zeitpunkt fremd gelagert hatten und das zu sehr hohen Kosten führte.

Sie haben das Geschäft Ende der 1960er Jahre von Ihrer Mutter, Helene Meisinger, übernommen. Gab es zu Beginn Visionen oder Pläne etwas zu verändern oder haben Sie das Konzept eins zu eins übernommen? (Großhandel etc.)

Hella Gruber: Als Pächterin übernahm ich das Geschäft 1970 von meiner Mutter. Offiziell ins Eigentum übernommen wurde das Geschäft dann im August 1972. Die erste Veränderung waren die Arbeitszeiten, danach der erste Umbau mit einer Kühlvitrine – was für die Sommerzeit dringend notwendig war. Der Großhandel wurde Jahr für Jahr mehr und der Marktstand wurde zu klein. Zum großen Glück hat man mir dann zwei Stände links und zwei Stände rechts angeboten, da hab ich natürlich zugegriffen. 1976, zum 100jährigen Bestehen der Firma, erfolgte der nächste Umbau – diesmal aber richtig mit Aluportal und Glas, fix eingebauten Kühlvitrinen und alles hygienetechnisch am neuesten Stand verfliest. Es war so wunderschön modern, dass die Zeitungen schrieben „Glas und Alu passt nicht zum Wiener Naschmarkt“.

Erinnern Sie sich noch an Ihre Mutter und Großmutter? „Frauenpower“ hat maßgeblich zum Erfolg des Unternehmens beigetragen. Waren Ihre Mutter und Großmutter damals moderne Frauen?

Hella Gruber: Und ob, ich erinnere mich, meine Großmutter war eine sehr resche Frau, ein Dragoner wie man so schön sagt, auch eine Furie wie mein Mann sie bezeichnete, hart im Geschäft, aber privat war sie die netteste, liebenswerteste Frau, die man sich nur vorstellen kann. Meine Mutter war eine sehr feine Dame, von ihrem Mann, meinem Vater, wenig unterstützt. Nur Ihre Mutter überblickte den Geschäftsablauf. Sie haben lange Zeit sehr hart gearbeitet und das bei Regen, Sturm und Kälte. Die Stände waren damals offen und sie standen im Freien nur mit einer Sonnenplane geschützt. Im Winter gab es als Wärmespender eine kleine Blechkiste in der Größe 35 x 50 cm, die mit Holzkohle gefüllt war und rundherum standen die vier Angestellten um sich die Finger zu wärmen. Harte Zeiten für alle.

Ihre Großmutter hat die ersten „Seefische“ aus der Adria nach Wien geholt. Wie haben Sie und Ihr Mann das Importgeschäft gesehen?

Hella Gruber: Im Vergleich zu den heutigen Importen kann man zu den damaligen Methoden nur schmunzeln, aber den Versuch war es wert. Heute würde ich es als gigantisch bezeichnen, was an Ware gehandelt wird.

Erich Gruber, wie sah damals die Situation am Wiener Markt aus?

Erich Gruber: Ich kam im September 1962 in das Fischgeschäft Lämmermann-Meisinger, als Schwiegersohn, ganz schüchtern und fremd und die Marktstandler in der Nachbarschaft zeigten mit dem Finger auf mich. Ich war der Burgenlandler, den die Wiener als „Gscherten“ ansahen. Damals war man schon als Burgenländer ein“Ausländer“! In den 1960er und 1970er Jahren waren fast ausschließlich Wiener am Naschmarkt, vereinzelt auch ausländische Händler.

Gab es auch mal schwierige Zeiten?

Hella Gruber: Es gibt immer Höhen und Tiefen im Geschäftsleben, aber wir hatten keine Zeiten, die man als unüberwindlich bezeichnen könnte. Mit viel Fleiß, Geduld, Zufriedenheit und Liebe zum Fisch haben wir beide auch schwierige Zeiten überstanden.

Was bedeutete für Sie damals die Redewendung „Der Kunde ist König“? Was war Ihnen und Ihrem Mann besonders wichtig im Umgang mit Ihren Kunden? Erinnern Sie sich an ein spezielles, positives Ereignis?

Hella Gruber: Der Kunde ist immer König, denn von Ihm leben wir. Er muss immer höflich behandelt werden, so dass er immer zufrieden ist. Wenn er wieder kommt, dann ist er´s auch. Das bedeutet nicht, dass man sich alles gefallen lassen muss, nein! Immerhin will der Kunde ja auch was von einem. Natürlich hat sich auch der Unternehmer Respekt verdient, vor allem wenn er sich besondere Mühe gibt!

Hat sich in der Mentalität des Kunden im Laufe Ihrer langjährigen Tätigkeit am Naschmarkt was geändert? Ist er eigenwilliger geworden?

Hella Gruber: Ja, er ist eigenwilliger und aufgeklärter geworden.

War Frischer Fisch, vor allem Seefisch, in Wien damals eine Attraktion?

Hella Gruber: Es gab früher nicht diese Auswahl. Es gab grüne Heringe, Makrelen, Schollen. Seezungen brauchten wir viele für die besseren Hotels und Steinbutt, das war´s auch schon. Es gab bei uns Kabeljaufilet und Rotbarschfilet, dann auch schnell bei den anderen Fischhändlern.

Als Berufsfischer sind Sie ja Produktspezialist. Welche Fische waren und sind Ihre Favoriten?

Erich Gruber: Ich hab früher nie gern Fisch gegessen. Mein Vater war selbst 40 Jahre Berufsfischer am Neusiedlersee und ein richtiger Fischtiger, also hat man mich auch gezwungen Fische zu essen, ich hab‘ es aber erst durch meine Frau lieben gelernt. Heute würde mein Vater stolz auf mich sein, weil ich Fisch genau so liebe. Meine Favoriten kann ich an einer Hand abzählen: Karpfen bei Süßwasser-, Kabeljau, Seelachs und Pollak bei Seefischen. Diese Fische lassen sich nämlich nicht züchten. Mein absoluter Lieblingsfisch ist aber der Karpfen.

Die Zahl der Fischgroßhändler in Europa ist überschaubar, nehme ich an. Sind Ihrer Meinung nach die Kontakte in der Branche das Wichtigste oder braucht es da mehr zum Erfolg?

Erich Gruber: Kontakte in der Branche sind wichtig, besonders Kontakte zu Lieferanten. Lieferanten haben wir uns zum größten Teil selbst gesucht, manche haben sich auch vorgestellt, zum Teil noch mit „schwimmender Ware“ – also Fisch der noch auf dem Weg zum Importeur via Schiff war. Manche Importeure haben uns auch aufgeklärt. Früher gab es z.B. keine gezüchteten Shrimps, Garnelen. Das war noch vor ca. 15 Jahren so. Viele Exporteure haben wir auf Messen kennen gelernt von Europa bis Australien, manche sind Lieferanten geblieben aber viele sind Freunde geworden. Gemeinsam mit meinem ältesten Sohn Erich war ich in Thailand und Australien auf Messen. An den Fischmarkt in Sydney erinnere ich mich noch. Die „Anuga-Messe“ in Köln und die „Sial“ in Paris sind ja heute noch ein Begriff. Auf diesen Messen hat man natürlich auch die Konkurrenz getroffen; auch die EXPO in Brüssel oder der Frischemarkt in Rungis, nahe Paris. Das Marktareal hat die Größe des Fürstentums Monacos, über 10 000 Stände mit allerlei Waren. Das waren sehr interessante Erfahrungen.

Sie waren also immer offen für Neues, oder?

Erich Gruber: Ja, natürlich! In einer Branche wie dieser gibt es immer Neues und Interessantes zu erleben. Deshalb haben wir auch eine eigene Hummerhälterung betrieben. Auf 450 m2 Fläche standen in einem Lokal in der Schleifmühlgasse 40 Becken für über 2.000 Kilo lebende Hummer. Wir haben sogar lebende Langusten aus Neuseeland und Tasmanien importiert. Höchste Qualität war unsere fixe Idee! Wiener Großhändler, darunter Unternehmen wie Do&Co, gehörten zu unseren Stammkunden. Aber was uns noch wichtiger war, wir haben dabei Neues gelernt und Erfahrungen gemacht.

Wofür steht Ihrer Meinung nach heute „Fisch-Gruber Feinfischspezialitäten“ hier in Wien? Was kann „Fisch-Gruber“ besser als alle anderen?

Hella Gruber: Die Erfahrung und das Wissen von fünf Generationen steckt in „Feinfischspezialitäten Hella Gruber“. Als erstes gab es Lämmermann, dann Lämmermann-Zeissl, anschließend Lämmermann-Meisinger. Ab 1974 gab’s dann Hella Gruber engros und Detailhandel als protokollierte Firma. Heute führt mein Sohn das Geschäft unter dem Traditionsnamen „Feinfischspezialitäten Hella Gruber“, Fisch-Gruber eben. Was Fisch angeht, kann man meinen Männern und mir nichts vormachen!

© Fisch-Gruber, 2008