Turbulente Entwicklungen am Fischereisektor verlangen eine Politik mit Weitsicht, konkreten Strategien und Handlungsbereitschaft. Die ökologische Zuspitzung im europäischen Fischereisektor stellt das politische Räderwerk Europas vor monströse Herausforderungen. Diesen künftig mit klaren Antworten zu begegnen, wird für politische Akteure ein immer größeres Problem. Zu viele Interessen müssen Berücksichtigung finden. Und trotzdem, ökonomische Zwänge dürfen dem politischen Prozess nicht die Richtung vorgeben.

Reformansatz – Das neue „Grünbuch“
Das Diskussionspapier beschäftigt sich vor allem mit den „strukturellen Schwächen der europäischen Fischereipolitik“. Kernfragen der Diskussion sind unter anderem die Reduzierung der Euro-Flotte, die Verbesserung politischer Kommunikationsstrukturen, mehr Eigenverantwortung für die betroffenen Industrien und die ergänzende Installierung effizienter politischer Instrumente.
Strukturprobleme müssen noch klarer angesprochen und dann auch angegangen werden. Obsolete Prinzipien aller am Prozess Beteiligten müssen in Frage gestellt werden. Der Reformprozess muss von allen Beteiligten Akteuren mitgetragen werden, ansonsten werden aus Visionen Illusionen! „Eigenverantwortung“ ist der große Reformuntertitel !
Die politische Praxis der Vergangenheit steht am Prüfstand ! Ein „neuer“ Kurs muss eingeschlagen werden. Erste Schritte wurden bereits gesetzt. Subventionen für den Bau von Fischereifahrzeugen wurden abgeschafft. Weitere sind angedacht.

Kernproblem – Reduktion der Fangflotte
Dringlichstes Problem ist die Reduktion der überdimensionierten EU-Flotte (27 Mitgliedsstaaten davon 20 Meeresanrainerstaaten) mit ihren derzeit noch über 85 000 Schiffen. Flottenreduzierungsprogramme wurden bereits eingeleitet, jedoch mit bescheidenem Erfolg. Die jährliche Reduktion beträgt 2-3%, die jedoch durch technische Innovation bei der Fangeffizienz (2-4%) wieder ausgeglichen wird.

„Erhaltung der handwerklichen Küstenfischerei“
Kleinstrukturierte Fischerei hat klaren Vorrang gegenüber industrieller „Logik“. Nur so kann „das wirtschaftliche Gefüge von Küstenregionen“ erhalten werden. Eingebunden in den Reformprozess ist deshalb neben Industrie und Politik auch der Handel und dessen Interessenvertretung. Ziel muss es sein den „Fischfang an die Marktnachfrage anzupassen“. Nachhaltiges Wirtschaften kann nur auf diesem Weg erreicht werden.

Kritische Stimmen…
…sehen die Fischereipolitik der EU jedoch zwischen den Lobbyinginteressen der einzelnen Staaten und Konzerne gefangen. Die Aktivitäten der EU-Fangflotten in Gewässern von Drittländern sind nur schwer kontrollierbar, ein internationaler Markt ermöglicht die schnelle Verschiebung von Fangflotten unter anderer Flagge. Auch wird oft kritisiert, dass kleinstrukturierte Fischereien und die Erforschung nachhaltiger Fangmethoden im Vergleich zur industriellen Fischerei zu wenig subventioniert werden.

Aktive Konsumenten reden mit !
Klare Signale gehen auch in Richtung Konsumenten. „Der Reformprozess muss an einigen unserer Grundeinstellungen rütteln“, so Joe Borg. Das Wissen über Herkunft und Fangart des gewünschten Fisches ist dabei der Anfang des Nachhaltigkeitsbewusstseins. Suchen Sie daher das Gespräch. Deponieren Sie Ihre Bedenken! Qualität ist das Ergebnis überlegten und verantwortungsbewussten Umgangs mit den kostbaren Ressourcen unserer Meere! Fisch-Gruber freut sich über Ihren Beitrag!