Wer das erste mal rohe (topfrische) Stinte kauft, wird es kaum glauben: Nähert man sich dem Fischeinkauf von der olfaktorischen Seite, strömt einem hier ein zarter Gurkengeruch in die Nase. Und wenn man sich dann traut und einen so richtig tiefen Atemzug nimmt, glaubt man tatsächlich in eine Schüssel frisch geschnittener Gurken einzutauchen.

Nicht von ungefähr wird dieser außergewöhnliche Fisch auch Gurkfisch genannt (lat. Osmerus eperlanus). Bei uns sind Stinte nicht so bekannt, kommen sie doch in den europäischen Küstengewässern von Nordfrankreich bis zur Ostsee vor. Eine eng verwandte Art findet sich in Süßwasserseen in Nordeuropa. Stinte sind Kleinfische und werden meist ca. 15cm lang. Ihr Körper ist faszinierend durchscheinend und schillert am Rücken graugrün-rosa, an den Seiten silbrig.

Ein leichter Fang

Ende Februar/Anfang März laichen die Stinte an sandigen Stellen von Flussmündungen ab. Während dieser Zeit können sie besonders leicht mit dem Netz gefangen werden. Im Herbst werden sie auch mit sogenannten Heringspaternostern (Angelschnur mit 5 speziellen Haken) geangelt. Früher waren Stinte so zahlreich, dass sie in Flüssen einfach mit Waschkörben gefangen werden konnten und als Dünger für Felder verwendet wurden. Auf die starke Verbreitung weist beispielsweise der Hamburger Stadtteil Stintfang, das Lüneburger Hafenviertel Stintmarkt und der Stinthengst, das Wappentier von Mikolajki, hin.

Von der Verbreitung des Stints zeugen auch alte Sprichwörter im Norddeutschen Raum. So kann man sich „freuen wie ein Stint“ – aber auch „ärgern wie ein Stint“ (letzteres bei Wilhelm Busch). Und hinter der Aufforderung „sei kein Stint“ versteckt sich die Bitte, nicht so starrsinnig und ablehnend zu sein.

Heute ist der Stint in Flüssen aufgrund der Verschmutzung kaum mehr anzutreffen, weshalb auch seine kommerzielle Bedeutung stark zurückgegangen ist. Er wird eher von kleinen Fischereibetrieben in sauberen Gewässern gefangen und als regionale Delikatesse angeboten. Mittlerweile haben Stinte jedoch eine große Bedeutung für die Aquaristik und Terraristik, dort werden sie massenhaft als Futterfische gezüchtet – mit allen Schattenseiten der industriellen Fischzucht. Stinte aus Wildfangbeständen gelten als nicht überfischt/gefährdet.

Klein aber fein

Der Stint ist zwar klein – aber ein hervorragender Speisefisch. Meist wird er (kurz gemehlt) in Butter oder Öl goldbraun gebraten. Die Fische können dann – ohne Kopf – im Ganzen gegessen werden, da die Gräten sehr weich sind. Ihr Fleisch ist sehr weich und zart und schmeckt rein, mit einem leicht nussigen Nachgeschmack. Damit ist der Stint auch ideal für Fischeinsteiger, die sich vor dem Geruch oder Geschmack etwas zieren. Sollten Sie einen Stint mit Rogen erwischen genießen Sie die Eier unbedingt mit – sie sind besonders fein und delikat!

Fisch-Gruber importiert frische Stinte aus kleinstrukturiertem Wildfang in Dänemark. Die Frische können Sie leicht am glänzenden, schillernden Schuppenkleid und dem reinen, „gurkigen“ Geruch überprüfen.

© Fisch-Gruber, 2012 – Fisch kaufen am Wiener Naschmarkt!