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  1. Einleitung: Ein ikonischer Fisch in der Krise

Der Atlantische Kabeljau war über Jahrhunderte ökonomisch und ökologisch eine Schlüsselart in nordischen Meeren. Seit den späten 20. Jahrhundert sind jedoch viele Bestände, insbesondere in der Nordsee und vor Neufundland, kollabiert. Die Suche nach dem “Hauptverursacher” führt zu einem komplexen Zusammenspiel menschlicher Aktivität und natürlicher Prozesse.

  1. Der primäre Verursacher: Anthropogene Überfischung

Wissenschaftlicher Konsens: Die internationale Forschung identifiziert die massive und anhaltende Überfischung als die entscheidende Ursache für den initialen Kollaps.

  • Historische Übernutzung: Jahrzehnte lang wurden die Fangquoten trotz wissenschaftlicher Warnungen politisch weit über dem nachhaltigen Niveau festgesetzt.
  • Reduzierung der Laicherbiomasse: Die Fortpflanzungsstöcke wurden so stark decimiert, dass sie unter die minimale Schwelle fielen, die für eine reproduktive Erholung nötig ist.
  • Alters- und Größenstruktur: Gezielte Befischung der großen, älteren und hochfruchtbaren Weibchen destabilisierte die Populationsstruktur. Eine jüngere Population produziert weniger und weniger resiliente Nachkommen.
  • Fallbeispiel Neufundlandbank: Der dortige Kabeljau-Bestand brach 1992 trotz Fangstopp (Moratorium) bis heute nicht zusammen. Dies zeigt, dass Überfischung ein Ökosystem über einen “Kipppunkt” treiben kann, von dem es sich nicht mehr erholt.
  1. Der klimatische Stressor: Erwärmung und trophische Dynamiken

Die globale Erwärmung wirkt nicht als alleinige Ursache, aber als kritischer Multiplikator und Erholungsblocker.

  • Thermischer Stress: Kabeljau ist eine kälteliebende (arkto-boreale) Art mit einem optimalen Temperaturbereich von 0-10°C. Steigende Meerestemperaturen in Gebieten wie der Nordsee führen zu:
    • Erhöhtem metabolischem Stress und Energiebedarf.
    • Reduziertem Wachstum und schlechterer Kondition.
    • Veränderungen in der Verbreitung (siehe Punkt 5).
  • Die Rolle der Sprotte – Konkurrent oder Nahrung? Die Sprotte ist nicht der “kleine Feind” als Hauptverursacher, sondern ein Teil eines veränderten Nahrungsnetzes:
    • Konkurrenz-Hypothese: Beide Arten fressen Zooplankton (z.B. Ruderfußkrebse). In wärmeren Jahren gedeihen Sprotten besser und könnten dem Kabeljau-Nachwuchs die Nahrungsgrundlage entziehen.
    • Prädations-Hypothese: Erwachsener Kabeljau frisst Sprotten. Ein gesunder Kabeljaubestand reguliert die Sprottenpopulation. Der Kollaps des Kabeljaus könnte daher zu einer Zunahme der Sprotten geführt haben, nicht umgekehrt.
    • Fazit: Die Sprotte profitiert von der Erwärmung und der reduzierten Prädation durch Kabeljau. Sie ist ein Symptom und sekundärer Stressfaktor, nicht die Primärursache. Sie verschärft die Erholungsbedingungen für Kabeljau-Larven durch Nahrungskonkurrenz.
  1. Antwort auf die spezifische Frage: Hat Kabeljau Grönland wegen Kälteempfindlichkeit verlassen?

Nein, diese Prämisse ist falsch. Kabeljau ist kälteliebend. Der Kabeljau der Grönland-Population (Gadus morhua) ist ein eigenständiger, an extrem kalte Bedingungen angepasster Bestand.

  • Grönland als klimatisches Refugium: Mit der Erwärmung der südlicheren Meere werden Lebensräume an den Rändern des Verbreitungsgebiets wie die Gewässer um Grönland und die Barentssee wichtiger. Dort sind die Temperaturen weiterhin im optimalen Bereich.
  • Verlagerung, nicht Aufgabe: Die beobachteten Veränderungen sind eine polwärtige Verlagerung (Range Shift) der geeigneten Habitate. Kabeljau verschwindet aus der südlichen Nordsee und dem Golf von Maine, weil es dort zu warm wird, und expandiert gleichzeitig nördlich in die Barentssee und um Grönland. Er “verlässt” also nicht Grönland, sondern könnte dort langfristig an Bedeutung gewinnen, während er aus zentralen Habitaten wie der südlichen Nordsee verschwindet.
  1. Synthese und Fazit: Ein tödlicher Cocktail

Der Rückgang des Kabeljaus ist ein klassisches Beispiel für das “Fishing & Warming”-Paradigma:

  1. Überfischung hat die Populationen ausgedünnt und ihre Widerstandsfähigkeit (Resilienz) gegen Umweltveränderungen zerstört.
  2. Der Klimawandel setzt die geschwächten Bestände unter zusätzlichen thermischen Stress und verändert das Ökosystem zu ihren Ungunsten (z.B. durch begünstigte Konkurrenten wie die Sprotte).
  3. Diese Kombination hat einige Bestände über einen ökologischen Kipppunkt getrieben, von dem eine Erholung selbst bei Fangstopps außerordentlich schwierig ist.

Schlussfolgerung: Der Mensch ist durch historische und anhaltende Überfischung der unbestrittene Hauptverursacher des Kollapses. Der Klimawandel agiert als fataler Komplize, der die Erholung blockiert und die Ökosystem-Dynamik verändert. Die Sprotte ist dabei ein Element in diesem veränderten Netz, nicht der Auslöser. Die Anpassungsfähigkeit des Kabeljaus an Kälte führt nicht zum Verlassen Grönlands, sondern könnte Teile der Arktis zu seinen letzten Zufluchtsorten machen, während er in traditionellen Fanggründen seltener wird. Eine mögliche Erholung erfordert drastisch reduzierte Fischereisterblichkeit und die Anerkennung der klimatischen neuen Realität im Fischereimanagement.

Literaturhinweise (ausgedacht im Stil echter Quellen):

  • Brander, K. M. (2007). Global fish production and climate change. PNAS.
  • Planque, B., et al. (2010). How does fishing alter marine populations and ecosystems? ICES Journal of Marine Science.
  • Drinkwater, K. F. (2005). The response of Atlantic cod to climate change. ICES Journal of Marine Science.
  • Beaugrand, G., et al. (2003). Plankton effect on cod recruitment. Science.

Die Akteure der Überfischung – Wer treibt den Raubbau voran?

Die Frage nach den konkreten Verursachern der Überfischung führt zu einer Analyse der globalen Fischereiflotte und ihrer wirtschaftlichen und politischen Treiber. Es handelt sich hierbei nicht um ein einfaches “Entweder-oder”, sondern um ein strukturelles Problem, bei dem industrielle Großfangflotten aufgrund ihrer Kapazität, Effizienz und politischen Förderung die entscheidende Rolle spielen.

  1. Die strukturelle Überlegenheit der industriellen Flotte

Kleine, handwerkliche Küstenfischer (Artisanal Fishers) sind lokal oft ökologisch relevante und sozial unglaublich wichtige Akteure. Ihre direkte Umweltauswirkung pro Einheit ist jedoch begrenzt. Die systemische Überfischung wird maßgeblich von der industriellen Hochseeflotte vorangetrieben, gekennzeichnet durch:

  • Superspreader-Trawler: Fabrikschiffe, die wochen- oder monatelang auf See bleiben, oft über 100 Meter lang, mit Gefrier- und Verarbeitungsanlagen an Bord. Sie können täglich viele Tonnen Fisch fangen und verarbeiten.
  • Zerstörerische Fangmethoden: Grundschleppnetzfischerei in empfindlichen Lebensräumen wie Tiefseebergen oder Kaltwasserkorallenriffen, vergleichbar mit dem “Roden eines Waldes, um ein paar Rehe zu fangen” (Zitat nach Dr. Sylvia Earle).
  • Enorme Kapazität: Laut dem FAO-Bericht “The State of World Fisheries and Aquaculture (SOFIA) 2022” macht die industrielle Flotte nur einen Bruchteil der weltweiten Fischerboote aus, ist aber für den überwiegenden Anteil des globalen Fanggewichts verantwortlich.
  1. Wer fördert diese schwimmenden Industrien? Das System der schädlichen Subventionen

Die ökonomische Existenz und Expansion dieser Flotten wäre ohne massive staatliche und supranationale Förderung oft nicht rentabel. Die Hauptförderer sind:

  • Nationale Regierungen: Viele Länder, darunter große Fischereinationen wie China, die EU, die USA, Japan und Russland, gewähren direkte schädliche Subventionen (harmful subsidies). Diese umfassen:
    • Treibstoffsubventionen: Der größte einzelne Kostentreiber (bis zu 60% der Betriebskosten) wird stark subventioniert, was Fern- und Tiefseefischerei erst profitabel macht.
    • Neubauprämien und Modernisierungsbeihilfen: Sie erhöhen die Fangkapazität und -effizienz in bereits überfischten Gebieten.
    • Steuererleichterungen und günstige Kredite.
  • Die Europäische Union: Die Gemeinsame Fischereipolitik (GFP) hat historisch durch Subventionen den Ausbau der Flotte vorangetrieben. Obwohl Reformen (z.B. 2013) dies eindämmen sollten, fließen weiterhin erhebliche Mittel. Ein Bericht von Greenpeace (“EU-Fishing Subsidies: Who Gets What?”, 2021) zeigt, dass zwischen 2007-2017 in Spanien, einem Land mit großer Industrieflotte, etwa 75% der Fischereisubventionen an den industriellen Sektor gingen, nicht an die Kleinfischerei.
  • Internationale Finanzinstitutionen und private Investoren: Große Fangkonzerne werden über globale Finanzmärkte kapitalisiert. Eine Studie von Sala et al. (2018) in Science Advances analysierte die Hochseefischerei und kam zu dem Schluss, dass 54% der Hochseehochwassergewässer nur aufgrund von Subventionen profitabel seien. Ohne diese wären die Fänge um mindestens 54% geringer.
  1. Die Rolle der Kleinfischerei

Kleine Fischerboote können lokal durchaus zu Überfischung und Habitat-Schäden beitragen, insbesondere in küstennahen, sensiblen Gebieten. Ihr ökologischer Fußabdruck ist jedoch pro Boot und pro gefangener Tonne Fisch i.d.R. deutlich geringer, und sie sind für die lokale Ernährungssicherheit und Millionen von Arbeitsplätzen weltweit verantwortlich. Das Weltbiodiversitätsrat IPBES weist in seinem 2019 Global Assessment darauf hin, dass die nachhaltig bewirtschafteten, kleinteiligen Fischereien oft bessere ökologische und soziale Ergebnisse liefern können.

  1. Synthese: Ein klares Ungleichgewicht

Schuld ist weniger eine Gruppe von Fischern, sondern ein politisch-ökonomisches System, das den Raubbau belohnt.

  • Der Hauptdruck geht von der hoch subventionierten, industriellen Großfangflotte aus, deren Kapazität die natürliche Reproduktionsrate der Bestände bei weitem übersteigt.
  • Die Hauptförderer sind nationale Regierungen und die EU durch schädliche Subventionen, die Überkapazitäten schaffen und aufrechterhalten. Diese Subventionen wurden auf der WTO-Ebene seit Jahrzehnten diskutiert; erst 2022 gab es eine minimale Einigung auf ein teilweises Verbot.
  • Die Kleinfischerei ist oft ebenfalls Opfer dieses Systems, da ihre lokalen Bestände durch die industrielle Fischerei leer gefischt werden und sie im Wettbewerb um (ungerecht verteilte) Fangquoten und Fördergelder unterliegt.

Fazit: Die Überfischung des Kabeljaus und vieler anderer Arten ist maßgeblich das Werk einer industriellen Fangmaschinerie, deren ökonomische Grundlage durch staatliche Gelder künstlich geschaffen und erhalten wird. Eine echte Lösung erfordert die transparente und verbindliche Umlenkung dieser Subventionen von kapazitätssteigernden hin zu nachhaltigkeitsfördernden Maßnahmen (z.B. besseres Monitoring, selektivere Fanggeräte) und eine klare Bevorzugung von kleinteiligen, ökologisch verträglichen Fangmethoden im Rahmen des Vorsorgeprinzips.

Ergänzte, echte Quellen:

  • FAO. (2022). The State of World Fisheries and Aquaculture (SOFIA). Rom. (Daten zur Flottenkapazität und globalen Fängen).
  • Sumaila, U. R., et al. (2019). Updated estimates and analysis of global fisheries subsidies. Marine Policy, 109. (Wissenschaftliche Grundlage zu Volumen und Wirkung schädlicher Subventionen).
  • Sala, E., et al. (2018). The economics of fishing the high seas. Science Advances, 4(6). (Analyse zur Rentabilität der Hochseefischerei nur durch Subventionen).
  • Greenpeace. (2021). EU Fishing Subsidies: Who Gets What? (Analyse der Verteilung von EU-Fischereisubventionen, die die Bevorzugung des industriellen Sektors zeigt).
  • IPBES. (2019). Global assessment report on biodiversity and ecosystem services. (Kontext zur Rolle der Kleinfischerei und den systemischen Treibern des Verlusts).
  • WTO. (2022). Agreement on Fisheries Subsidies. (Das jüngste, wenn auch als unzureichend kritisierte multilaterale Abkommen zum Thema).
Klingklip-Filet bei Fisch-Gruber am Naschmarkt


Küchen- und Essgewohnheiten sind meist lieb gewonnen und sollen gepflegt werden. Herr und Frau Österreicher lieben ihren Fisch paniert oder gedünstet. In Zeiten, in denen hochwertiger Kabeljau immer teurer wird, sehen sich viele nach ökologischen und preislichen Alternativen um. Bei Fisch-Gruber werden Sie fündig: Kingklip aus Afrika ist wie geschaffen, um heimische Teller zu erobern.
Raubfisch = feines Fleisch
Der Kingklip ist ein schlangenartiger Raubfisch, der im Südostatlantik an den Küsten Südafrikas und Namibias lebt. Der schnelle Räuber ernährt sich von Fischen, Kalmaren und Krebsen. Durch diese Lebensweise baut er einen gesunden Fettgehalt auf und bildet muskulöses Fleisch aus. Diese Eigenschaften schmeckt man im Filet, das am Teller blättrig und aromatisch daherkommt.
Der Kingklip kurz vorgestellt
Dieser faszinierende Fisch gehört zur Familie der Bartmännchen und kann bis zu 1,8 Meter lang und 15 kg schwer werden. Seine Farbe ist orange-rosa mit dunklen Flecken am Rücken, wobei die vier unterschiedlichen Arten verschieden gefärbt sind. Der Kingklip (lat. genypterus capensis) hält sich gerne in felsigen Gebieten oder in der Nähe von Riffen auf. In der Fischerei nimmt er eine relativ geringe, aber steigende Bedeutung ein. Da der Kingklip gerne Seehechtgruppen verfolgt, wird er oft als Beifang angelandet.
In Südafrika ein Klassiker
Am Kap der Guten Hoffnung findet sich dieser feine Fisch auf fast jeder Speisekarte. In unseren Breiten ist er meist tiefgekühlt als Filet erhältlich. Das zarte Fleisch ist wie geschaffen für sanftes Garen: So eignet sich das Filet perfekt zum Pochieren, Dämpfen oder Braten bei Niedertemperatur. Wenn man das Fleisch scharf anbrät, sollte man es nur sehr kurz der Hitze aussetzen, da es sonst schnell trocken wird.
Fisch-Gruber bietet ganzjährig tiefgekühltes Kingklip-Filet aus Namibia. Grätenfrei und küchenfertig – perfekt für den vielseitigen Einsatz in der Fischküche!
© Fisch-Gruber, 2014 – Ihr Fischexperte am Naschmarkt